
| Künstler: | Yana Milev |
| Name der Ausstellung: | doublewatch |
| Galerie: | Galerie Eigen + Art |
| Rundgang: | 23.06.2001 |
| Seitdem ich in Japan lebte, trage ich eine doublewatch, die ich mir dort kaufte. Erst viel später erschloß sich mir der ganze Sinn, der in der Auswahl einer solchen Uhr liegt. Ich trage permanent zwei Zeiten an meinem Handgelenk; und wer sonst, wenn nicht eine Stewardess, braucht so eine Uhr. Mit der doublewatch finde ich scheinbar zufällig ein Symbol für meinen Lebensstil, wie er von Anfang an meine Biografie durchzieht. Als Kind von Eltern verschiedener Nationalitäten (Deutschland/Bulgarien) wachse ich zwischen verschiedenen Sprachen, Traditionen, Klimazonen, Mentalitäten, Temperamenten, Religionen, Sitten und Geografien auf. Seit meiner Kindheit lebe ich im Pendel zwischen Richtungen, Orten und Zeiten, und meine Herkunft zerteilt sich in ein unheilbares “weder hier noch dort”. Meine doublewatch erinnert mich an meinen ersten Berufswunsch; und der war tatsächlich Stewardess. Von Anfang an birgt eine solche exzentrisch-polarisierte Spannung der Seele das spezifische Phänomen des Nomadischen und seiner naturgemäßen Dramatik, mit allem und mit nichts identisch zu sein, d.h., immer genau DORT sein zu wollen, wo man gerade nicht ist (escape from time). Andererseits zwingt mich meine mentale Beschaffenheit, deren Qualität in der Dynamik von Identitätswechsel liegt, einen eigenen Entwurf auszuprägen. Auf diesem Wege gelange ich zu dem Projekt A.O.B.B.M.E. (© 1994), das als Institut für Angewandte Raumforschung und Mikrotopische Kulturproduktion ® für mich zum adäquaten ORT von Exkurs, Diskurs und Rekurs wird. Die Suche nach der Methode , eine Vermittlung von Extremen, Widersprüchen und Schwerpunkten an mir selbst praktisch zu realisieren, führt mich in eine interkulturelle Diaspora und hier immer weiter in den Fernen Osten. Mit dem Kyudô (jap. Weg des Bogens) beginne ich meinen eigenen Körper als atmendes Organ von Medium (Mitte), von Rhythmus (Abstand) und von Spannung (Tonus) kennenzulernen. Dieses Verstehen ist ausschließlich kinästhetisch. Pfeil und Bogen sind dabei vehicle, Polaritäten aufzuheben und sich selbst in einen vitalen Organismus zu entlassen. Nachdem sich für mich die Kriterien des logozentrischen Kunstbegriffs erschöpft haben, bleibt für mich hier die Relativität eines creatio ex nihilio, dieser Bedingung “westlichen” Bewußtseins, das die Schöpfung (creatio) nur im sichtbaren Ausdruck (Evolution) akzeptiert. Als Bestandteil einer geschlossenen Schöpfungsidee gilt für mich genauso ein creatio in nihilio, die praktische Involution der Tao-geschulten Tradition, welche gleichzeitig die Aufhebung von Repräsentanz (Vorstellung) beinhaltet. Erst in der Synchronität von Reproduktion und Regeneration, von wirkendem Ausdruck (Verhalten) und wirkendem Eindruck (Haltung), verschmelzen zwei Kulturformen zu einem individuellen Kraftfeld, das ich personelle ResonanzArchitektur nenne. Der Bogen ist das Sinnbild für die Brücke zwischen den Zeiten, über die Zeiten hinweg und für die Aufhebung der Zeiten. Die Frage, wie diese Brücke zu begehen ist, beantwortet sich in der Übung, die Brücke zu begehen. Yana Milev ![]() Portrait Y. Milev: Yumia
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