Kunstverein Leipzig

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Begrüßung

Matthias Weischer im Museum der bildenden Künste
Matthias Weischer: '03 Meisterschüler von Sighard Gille, '04 Schüler von David Hockney, '05 vertreten auf der Venedig-Biennale, jetzt als LVZ-Kunstpreisträger mit einer Ausstellung im Museum der bildenden Künste (bis 15.01.06)


Matthias Weischer & Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt

Grassi-Museum
Nach fünf Jahren Renovierung zumindest partiell wieder nutzbar: das Grassimuseum am Johannisplatz

Liebe Freundinnen und Freunde der Kunst,

eine Professur für Bildhauerei oder Ähnliches - etwa für Installation oder Kunst im öffentlichen Raum - sucht man an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) vergeblich. Dennoch bringt die Leipziger Akademie immer wieder beachtliche Künstler hervor, die dreidimensional arbeiten. Dazu zählen beispielsweise Regine Müller-Waldeck, Christoph Weber, Silke Koch, Jirka Pfahl und der Maler Paule Hammer. Einer der erstaunlichsten unter ihnen ist jedoch Alexej Meschtschanow. Wer das Ausstellungsgeschehen in Leipzig über die vergangenen Jahre hinweg verfolgt hat, dürfte die Arbeiten des Timm- Rautert- und Arno-Rink-Schülers längst kennen. In letzter Zeit verpasste er bevorzugt Biedermeiermöbeln Prothesen. Damit erwies er mitnichten nur Marcel Duchamps Ready-mades Referenz. Duchamp mischte starre Kunstdiskurse auf, indem er Alltagsgegenständen Sockel verpasste oder sie im musealen Kontext präsentierte, sie also zu Kunst erklärte. Dagegen weisen Meschtschanows Ready-mades trotz Erhöhung eher in die entgegengesetzte Richtung: aus dem White cube hinaus auf die Gesellschaft. Die Möbel des 32-Jährigen repräsentieren eine Bürgerlichkeit, die offenbar dermaßen angeschlagen ist, dass sie bereits orthopädisches Stützwerk benötigt. Oder ist sie in Wirklichkeit gesund, das Korsett also bloß ein hypochondrischer Akt? 

Meschtschanows derzeit in der Projektgalerie des Kunstvereins ausgestellte Installation scheint einer neuen Werkphase anzugehören. Verschwunden sind die Möbel. Nun ist es die Prothese selbst, die eine Stütze benötigt. Zwei ihrer vier Beine bestehen nur noch aus rostigen Stummeln. Die zur Hilfe hinzugezogene Prothese verfügt über Rollen, doch nun ist sie ebenfalls bewegungsunfähig. Ein starkes, unheimliches, vielfältig anwendbares Bild. Zumal es gerahmt wird von Porträts des Arno-Rink-Meisterschülers Steven Black. In ihnen spielt die Stellung des Individuums im Raum eine entscheidende Rolle. Die Porträtierten scheinen alles um sich herum aufzusaugen, so dass für die restliche Leinwand wenig mehr an Farbe übrig bleibt als die der Grundierung.

Im weitesten Sinne um Positionierung geht es auch in der Malerei Matthias Weischers. Seine Patchwork-Interieurs lassen sich unschwer mit gewichtigen Attributen versehen: Postmodern? Sicher doch! Schon deshalb, weil hier gesampelt wird, bis der Arzt kommt. Surreal? Und wie! Weischer plant wenig. Kaum etwas auf den Leinwänden ist, wie es scheint. Dekonstruktiv? Durchaus! Der 32-jährige Maler malt Malerei, befragt sie, spielt mit ihr. Neuerdings zieren Hilfsraster seine Leinwände, und nicht nur sein Selbstporträt referiert Kunstgeschichte: Weischer als Rembrandt. Dass der Gille-Meisterschüler den LVZ-Kunstpreis nicht verdient hätte, lässt sich schwerlich sagen. Gebraucht hätte er ihn allerdings auch nicht mehr - nach Förderung durch David Hockney, Teilnahme an der Venedig Biennale und schwindelerregenden Auktionserlösen.

Wer am Abend der LVZ-Kunstpreisvergabe den weihevollen Worten älterer Herren lauschte und zwischen jungen, leichtbekleideten Hostessen in die Ausstellung schritt, erhielt zugleich eine unschöne Erklärung dafür, warum der Kunstmarkt noch immer männerdominiert ist. Schon in der Jury saß eine Frau fünf Männern gegenüber. Erfreulich nicht nur deshalb eine andere Auszeichnung: Jana Seehusen erhielt für ihre audiovisuelle Installation "feindbar" den Preis der Leipziger Jahresausstellung. Die Preisträgerausstellung folgt 2006.

Leipzig  mausert sich weiter zum Kunstzentrum, darauf deuten zunehmend auch Kooperationen hin. Seien es die Gastspiele britischer Künstler im Laden für Nichts, sei es das im Juli angelaufene Atelierprogramm der Stiftung Federkiel in Zusammenarbeit mit Spike Island. Zuletzt verbrachte Chris Barr aus Bristol drei Monate im Stipendiatenatelier auf der Baumwollspinnerei. Wenn eine saloppe Umschreibung erlaubt ist: Leipziger Strebertum trifft britische Rotzigkeit. Sehr angenehm.


Bleibt zu erwähnen, dass der Grassikomplex nach fünf Jahren Umbaupause endlich wieder Besucher empfängt: Am ersten Adventwochenende öffnete das Völkerkundemuseum, das Musikinstrumentenmuseum und das Museum für Angewandte Kunst, vormals bekannt als Museum für Kunsthandwerk, werden folgen, bestenfalls 2006.

Ach ja, verwiesen sei noch auf einen "Zeit"-Artikel von Wolfgang Büscher über einen Besuch bei Neo Rauch. Im ICE quert der Bestseller-Autor ("Berlin - Moskau") die "Leipziger Börde", um einen Ort aufzusuchen, der ihn an Tarkowskij-Filme erinnert: "Neo Rauch, heißt es, hause in einer verlassenen Fabrik am Rande der Stadt." Büscher entlockt dem Malerstar ein paar wahre Bonmots: "Ich bin ein Konservativer und heiße Neo: eine ironische Situation." Die beiden plaudern über Ernst Jünger, Botho Strauß, den Dienst an der Waffe. Auch im Atelier liegt eine Pistole herum. Rauchs Schüsse treffen fast ins Schwarze, bemerkt Büscher. Er registriert aber auch "einen leichten Linksdrall" der Geschosse. Beunruhigend, oder?

Frohe Weihnachten wünscht
im Auftrag des Kunstvereins Leipzig
Hendrik Pupat 

 

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Termine
 
Kunstindex.Leipzig Die angeführten Termine stellen nur eine kleine Auswahl dar. Für umfassendere Informationen über Kunst in Leipzig beachten Sie bitte die Seite Rundgang Kunst und den Kunstindex.Leipzig, der kostenlos zur Mitnahme in Galerien, Cafés und Kulturhäusern ausliegt.
 

 
Dienstag, 06.12.  |  19 Uhr  |  Hochschule für Grafik und Buchkunst       Buchpräsentationen

 

Die Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst ist 2005 25 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass erscheint nun im Kerber Verlag die Publikation "Nur hier? Die Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig 1980 – 2005". Präsentiert wird das Buch in der Hochschulgalerie im Rahmen einer Podiumsdiskussion zwischen Alba d´Urbano, Günter Karl Bose, Alexander Koch und Arno Rink.
Zudem vorgestellt wird eine aus dem /D/O/C/K-Projektbereich hervorgegangene Publikation: "beyond education. Kunst, Ausbildung, Arbeit und Ökonomie".

Wächterstraße 11


 
Mittwoch, 07.12.  |  19 Uhr  |  Galerie Hotel Leipziger Hof       Ausstellungseröffnung Jürgen Noltensmeier "Drei Straßen weiter"

 

Bekannt ist Jürgen Noltensmeier vor allem als Veranstalter von Literaturshows und als Autor; Anfang 2005 erschien von ihm der Erzählungsband "Tweedhosenastronaut". Dass er auch ein beachtlicher Maler ist, bewies er durch Ausstellungen bei "Falsche Wiese" und Andre Kermer. Seine Leinwände bleiben menschenleer, zeigen Autobahnen, trostlose Häuser. Die Perspektive ist subjektiv, ohne Scheu vor engen Bildschnitten. Noltensmeier, Jahrgang 1967, studierte Kunst in Hamburg und Glasgow.

bis 19.02.2006; Hedwigstraße 1-3, täglich 10 bis 20 Uhr


 
Mittwoch, 07.12.  |  20 Uhr  |  Haus des Buches Leipzig       Ingo Schulze liest aus "Neues Leben"

Ingo Schulze, 1962 in Dresden geboren, erlangte durch den Erzählband "Simple Storys" 1998 schlagartig große Bekanntheit. "Neues Leben" nun gilt als geglückter Wenderoman. Der Protagonist, ein verhinderter Schriftsteller und angehender Zeitungsredakteur namens Enrico Türmer, schildert in Briefen an einen Jugendfreund, an seine Schwester und an eine unerreichbare Geliebte sein Leben in der DDR und zur Zeit der Wende.


Info: www.haus-des-buches-leipzig.de

 
Freitag, 09.12.  |  19 Uhr  |  Kunstraum interim       Ausstellungseröffnung Sophie von Stillfried: "Und lasst die Kirche Immendorff"

 

Zitat aus dem Pressetext: "Sophie von Stillfried [...] begibt sich mit ihren Bildern auf die Suche nach Grenzen und damit nach Identität. Als Mittel wählt sie das Detail. Bis auf mehrere Quadratmeter vergrößert sie Ausschnitte unserer Wahrnehmung, holt sie aus dem Moment, dem kurzen Augenblick, der uns für gewöhnlich nur unbewusst im Gedächtnis haften bleibt, als Erinnerung oder als Traum. Sie selbst bezeichnet ihre Bilder als Momentaufnahme. Eine Hand die eine Zigarettenschachtel aus der Tasche zieht, ein Stück nackte Haut zwischen Hose und T Shirt, ein Kopf im Schoß einer Frau. Viel Haut ist zu sehen, meistens tätowiert. Für die Malerin steht sie als Sinnbild für die Grenzen des Körpers, die Tätowierung für deren Durchlässigkeit – Liebe, Schmerz, Leidenschaft, eingestochen in die Seele, oder das, was ihr am nahesten kommt."

geöffnet: 10.12., 15.-17.12. u. 21.-23.12.: 14 - 18 Uhr

G
rassistraße 22; Info: www.interim-leipzig.de


 
Freitag, 09.12.  |  19 Uhr  |  Galerie Sammler       Ausstellungseröffnung Sonja Arz - "Attitude, inner state and posture"  |  Malerei

 

Sonja Arz zentrales Thema ist Körperlichkeit. Aus weiblichen Akten haben sich bei ihr nach und nach Wirbel entwickelt - Abstraktionen, die eine skulpturale Anmutung erzeugen. Die Künstlerin malt mit Öl auf Leinwand oder auf Folie, die sie vor allem für Skizzen nutzt. Folien ermöglichen es, schnell Farb- und Formvarianten durchzuspielen. Sonja Arz hat von 1999 bis 2003 an der HGB bei Astrid Klein studiert. Von 2003 bis 2005 belegte sie an der Kunstakademie Düsseldorf bei Siegfried Anzinger Malerei.

Di-Sa 14-18 Uhr; Karl-Heine-Straße 68


 
Samstag, 10.12.  |  18 Uhr  |  Galerie Quartier       Ausstellungseröffnung Bithja Moor - "Herzchen" | Zeichnungen

 

Das soll wirklich eine Zeichnung sein? Verblüffend! Wie fotografiert, leicht verwackelt, sieht der Junge auf der Einladungskarte aus. Das Werk kommt im üblichen Urlaubsbildformat daher, 9x13 cm. "Herzchen" nennt Bithja Moor ihre erste Ausstellung in der Galerie Quartier. Die Künstlerin, Jahrgang 1979, hat in Dresden an der Hochschule für Bildende Künste bei Eberhard Bosslet studiert.

bis 30.01.2006 | Info: www.galerie-quartier.de


 
Donnerstag, 11.12.  |  20.30 Uhr  |  Kunst- und Bauschlosserei       Kultureller Salon der Theaterbaustelle

"Phantomschmerzen": Unter diesem Motto steht der Dezember-Salon der Theaterbaustelle. Ein Abend für freundliche Geister und Kobolde soll es werden, um wehe Herzen, ersponnene Leiden, schmerzhafte Stellen und wunde Punkte gehen. Weder hinreißende Illusionen noch falsche Körperteile sollen ausgespart werden. Gar von einem "Fest der (Rand-)erscheinungen" sprechen die Organisatoren. Das Programm sieht vor: Musikalisches vom „Klangduett gut und günstig“, Literarisches von Uwe Funk, Fachgesimpel von Dr. med. Georg Reißig und Filmisches von Magenta Films. Der Eintritt ist frei.

Kantstraße 18, Info: www.theaterbaustelle.de

 
Donnerstag, 15.12.  |  19 Uhr  |  Bimbo Town       Öffentliche Probe des experimentellen Orchestras

Bimbo Town auf dem Gelände der alten Baumwollspinnerei ist einer der wenigen Orte, an denen man noch daran erinnert wird, dass der heute ach so wissenschaftlich daherkommenden Kunst einst oft eine Nähe zum Wahnsinn nachgesagt wurde. Hemden fliegen durch die Luft, Barhocker stampfen, Sofas fressen, was sich auf ihnen niederlässt, Betten fahren durch die Automatenlandschaft. Wie mögen Musiker klingen, die sich nach diesem Ort bennen? Das lässt sich bei der öffentlichen Probe des Bimbo Town Orchestras vorort herausfinden. Das Fahrgeschäft bleibt an diesem Abend ausgeschaltet.

Spinnereistraße 7, um Voranmeldung wird gebeten: frank.koellges@gmx.com, 0172 / 29 05 205

 
Freitag, 16.12.  |  19 Uhr  |  Zeitgeschichtliches Forum Leipzig       Ausstellungseröffnung "Rock! Jugend und Musik in Deutschland"

Die Ausstellung will zeigen, wie der Rock`n`Roll nach Deutschland kam und was er in der Bundesrepublik wie in der DDR auslöste. Allen Widerständen zum Trotz: Er veränderte die Gesellschaft nachhaltig, im Osten wie im Westen. Die Ausstellung dokumentiert die Entwicklung musikalischer Jugendkulturen von Mitte der 1950er Jahre bis in die Gegenwart hinein.

bis 17. April 2006, Grimmaische Straße 6

 

Ausstellungen, die bald enden

Noch bis 17. Dezember: Daniel Schörnig - "Informationen am Mittag" in der Galerie b2. Titelspendend ist eine Deutschlandfunk-Sendung. Man merkt der Ausstellung an, dass Schörnig Malerei und Medienkunst studiert hat: Mittels spezieller Software ermittelte er den mittleren Farbwert einer "Herr der Ringe"-Folge, ließ die Farbe anrühren und bemalte damit eine Leinwand, monochrom. Ein Beamer glänzt durch Abwesenheit, das Licht, das er werfen würde, findet sich als Anstrich auf Boden und Wand. Vier gewaltige LED-Gemälde schlummern in Reset-Stellung "0000". Informationen en masse also. Der Erkenntniswert mag nicht allzu hoch sein. Aber das ist er bei herkömmlichen Medienangeboten ja auch nicht. 

Di-Sa 13-18 Uhr; Spinnereistraße 7


Noch bis 23. Dezember: Tilo Schulz - "(don't) look back in anger". Eine kluge Rauminstallation im Dogenhaus: Im Zentrum steht Töpferware von 1956, aus dem Uraufführungsjahr des Dramas "Blick zurück im Zorn", dessen Hauptfigur zum Vorbild der "Angry young men" wurde. Ein paar Meter Eichenholz entfernt heult sich Rambo in den Armen seines Colonels aus. Brad Pitt lässt Bauchmuskeln spielen. Den theoretischen Rahmen liefert Susan Faludi. Nicht nur für zornige junge Männer empfehlenswert!

Di-Fr 11-17 Uhr, Sa 11-14 Uhr; Spinnereistraße 7

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Blick über den Tellerrand
 

eine Rundlederwelt
Dachbodenfund, mitnichten Teil der Ausstellung Rundlederwelten

"Der Blick auf Dresden. Die Frauenkirche und das Werden der Dresdner Stadtsilhouette"

Aus Anlass der Weihe der neu errichteten Dresdner Frauenkirche am 30. Oktober 2005 präsentieren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eine Ausstellung, die den Wandel der Dresdner Stadtsilhouette über die Jahrhunderte verfolgt. Beteiligt sind 150 Künstler: von Canaletto über Frank-Heinrich Müller und Ricarda Roggan bis Urbikon.

bis 1. Mai 2006 täglich von 10 bis 18 Uhr im Ausstellungsgebäude an der Brühlschen Terrasse, Lipsius-Bau

Besprechung in den Dresdner Neusten Nachrichten


Rundlederwelten in Berlin

Diese Ausstellung persönlich zu eröffnen, hat sich im Oktober Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht nehmen lassen: Rundlederwelten ist eine Art künstlerischer Vorbote der Fußball-WM 2006. Noch bis 8. Januar präsentieren 74 Künstler aus 20 Ländern im Martin-Gropius-Bau 200 Werke auf 2000 Quadratmetern. Geeignet auch für Fußballmuffel.

www.rundlederwelten.net


"Herkules und Superman. Heldenmythen von Lucas Cranach zu Arnold Schwarzenegger" in Wittenberg

In der Ausstellung „Herkules und Superman“, erarbeitet  von Studentinnen und Studenten der Kunstpädagogik der Burg Giebichenstein zusammen mit Professor Josef Walch, geht es um Heldenbilder, Heldenmythen, die Bedeutung von Helden heute. Neben großformatigen Reproduktionen der Herkules-Bilder von Lucas Cranach d. Ä. zeigt die Ausstellung Bilder, Plakate, Poster, Bildgeschichten, Comics und Objekte, in denen die Studentinnen und Studenten die Taten Herkules' auf überraschende Weise neu inszeniert haben.

bis 28. Februar 2006, Wittenberg, Cranach-Haus, Markt 4

 
Weihnachten
 

 

 

Tipp 1: Kunst-Aktien der Schaubühne Lindenfels

Sie kommen als edler Druck daher, kosten 24 Euro, von denen 23 Euro als Spende gelten; sie helfen der Schaubühne Lindenfels, das baufällige Haus in Stand zu setzen; sie sind inzwischen preisgekrönt; und sie sind locker ihr Geld wert: Aktien der gemeinnützigen Schaubühne Lindenfels AG. Die erste auf Tausend Exemplare limitierte Edition wurde von Thomas Moecker (Studium bei Joachim Brohm und Eberhard Bosslet) gestaltet, die zweite Edition steuerte die Malerin Verena Landau (Studium bei Arno Rink)
bei. Bislang haben 545 Förderer 976 Papiere gezeichnet. Viel zu wenig! Die Hoffnungen lagen bei 2000 Aktien pro Jahr. Sinnvoller und schöner als in Form dieser Aktien lässt sich kaum schenken. 

www.schaubuehne.ag


Tipp 2: Kunstbücher

Möglicherweise lohnt für Weihnachtseinkäufe auch der Gang ins Museum der bildenden Künste. Dort ist, noch druckfrisch, ein Interviewband zu bekommen, der Gespräche mit 14 zeitgenössischen Künstlern wie Daniel Richter, Neo Rauch oder Christoph Ruckhäberle über "Alte Meister" enthält. Peinlich nur, dass keine einzige Künstlerin befragt wurde und Maler überrepräsentiert sind.
Geglückt(er) ist der kiloschwere Evelyn-Richter-Katalog. Und auch der Bildband zur aktuellen Matthias-Weischer-Ausstellung ist allemal einen Blick wert.

www.mdbk.de
LVZ-Besprechung des Interviewbands "Das Museum der Künstler. Zeitgenösssiche Künstler über Alte Meister"


Tipp 3: Neues Kunst- und Kulturmagazin für den Mitteldeutschen Raum

Das neue Magazin "Kunststoff" will über Theater, Kunst und Literatur im mitteldeutschen Raum berichten. Im Zeitschriften- und Buchhandel kostet es drei Euro, kann aber auch per Abo bezogen werden. Die erste Ausgabe enthält unter anderem ein Porträt der Galerie Post und Interviews mit dem MDR-Literaturkritiker Michael Hametner sowie Bimbo-Town-Mastermind Jim Whiting.

alles weitere unter: www.kunststoff-leipzig.de


Tipp 4: Klone wie Du und ich

Dass die tonangebenden Feuilletons im Gleichklang urteilen, kommt selten vor. Bei Kazuo Ishiguros "Alles, was wir geben mussten" sind sich jedoch alle einig. "Ein Meisterwerk", um es mit Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, zu sagen. Der Leser taucht ein in den Alltag des Internats Hailsham. Hautnah erlebt er die Intrigen der Bewohnerinnen, erste sexuelle Annäherungen, ein Fußballspiel, den Schulbasar. Dass es sich bei den Internierten um Klone handelt, stellt sich erst spät und eher beiläufig heraus. Bei Laune gehalten werden sie nur, um als Organspender zu dienen. Booker-Prize-Träger Ishiguro sucht nicht houellebecqhaft das Extreme und Provokante. Bei ihm entsteht das Grauen im Alltäglichen und Vertrauten. Um so intensiver setzt es sich fest.

Kazuo Ishiguro: Alles, was wir geben mussten. München: Blessing 2005. 348 S., 19,90 Euro

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05/12/05