Kunstverein Leipzig

newsletter 11/05

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Begrüßung

 

Liebe Freundinnen und Freunde der Kunst,

es hilft nichts. Man muss da durch. Irrwandeln. Vorbei an schier endlosen Reihen gesäumt mit Kunst, die nicht zu einem spricht - nicht mehr, noch nicht oder niemals. Man muss da durch, nur um die Werke zu entdecken, die berühren, bereichern, eine Heimat bieten oder zumindest reinigenden Schmerz. Für die Güte von Kunst existiert keine Waage. Es gibt allenfalls Krücken: Handwerklich ordentlich gemacht sollte gute Kunst schon sein, auch sollte der Künstler das ihm und seinen Absichten entsprechende Medium benutzen. Aber schon das ist Auslegungssache. Oft besteht ein Reiz von Kunst genau darin, dass sie sich nicht um das schert, was sie sollte.

Ja doch, dies ist ein Plädoyer dafür, sich von Kunstkompassen und Ausstellungsevents nicht verrückt machen zu lassen, Werke als eigenständig zu betrachten und sie auch mal gegen kuratorische Konzepte zu lesen, und vor allem dafür, den eigenen Radius flexibel zu halten. Der Laden für Nichts etwa bleibt ungemein wichtig für die Leipzig - die letzten beiden Ausstellungen ("England their England", "Bold | Cool") waren sehr angenehm. Die Kunst- und Bauschlosserei in der Kantstraße hat in diesem Sommer sehr viel Programm vorgelegt. Angenehme Entwicklungen allerorts.

In der Humboldtstraße (Löhrs Carré) fand die Galerie Quartier kürzlich eine neue Heimstätte und zeigt noch bis 15. November Arbeiten beachtenswerter junger Künstlerinnen: Susan Donath (Dresden, Plastik) und Esther Hoyer (Leipzig, Fotografie). Auch auf dem Weg zur Spinnerei bietet sich nun ein Halt auf der Karl-Heine-Straße an. In Haus Nummer 68 befindet sich seit einigen Wochen die Galerie Sammler, in Haus Nummer 59 das Delikatessenhaus. Das Besser leben und das Noch besser leben werden sich demnächst hinzugesellen. Letztmals an den Rand des Jahrtausendfelds lädt dagegen am 29. Oktober die Raumerweiterungshalle (Aurelienstraße 72). Ab 16 Uhr wird resümiert und in die Zukunft geschaut und gefeiert, ab 20 Uhr geben dann Turntables den Ton vor.

Selbst wenn sich das traumhafte Wetter verabschieden sollte, bleibt der Herbst reizend. Das garantieren, wie immer ohne den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit, die unten angeführten Termine. Besten Gewissens zu empfehlen ist auch diesen Monat der mehrfache Besuch in der von Josef Filipp betreuten Projektgalerie des Kunstvereins Leipzig. Der Eindruck von Helfried Straußs künstlerischer Reisereportagefotografie hat sich noch nicht verflüchtigt, da zieht, Kontrastprogramm, schon die junge Malerei von Claudia Maier ein, verspielt, figürlich, siehe oben links. Gut zwei Wochen später werden am selben Ort zwei Künstler zu sehen sein, die vorzustellen wohl längst nicht mehr nötig ist: Steven Black und Alexej Meschtschanow. Beides Arno-Rink-Schüler, beide höchst unterschiedlich. Mit Blacks Porträtmalerei geht immer auch eine Analyse des Raumes einher, vom Foto abmalen ist für ihn Tabu. Meschtschanows Objekte dagegen besitzen die Kühle medizinischer Instrumente. Bekannt etwa seine Biedermeiermöbel, mit Prothesen versehen, die stützten und zugleich einengten, nützlich und zugleich bedrohlich wirkten. Es verspricht, eine packende, anregende Ausstellung zu werden!

Einen schönen Monat wünscht
im Auftrag des Kunstvereins Leipzig
Hendrik Pupat 

 

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Termine
 
Kunstindex.Leipzig Die angeführten Termine stellen nur eine kleine Auswahl dar. Für umfassendere Informationen über Kunst in Leipzig beachten Sie bitte die Seite Rundgang Kunst und den Kunstindex.Leipzig, der kostenlos zur Mitnahme in Galerien, Cafés und Kulturhäusern ausliegt.
 

 
Dienstag, 01.11., bis Sonntag, 6.11.:    euro-scene Leipzig - 15. Festival für zeitgenössisches europäisches Theater
 

Schon, dass es das Festival euro-scene noch gibt, grenzt an ein Wunder. Der Etat ist denkbar klein, und seit Jahren bedrohen Kürzungen die Existenz. Mit 200 000 Euro ist BMW inzwischen Hauptfinancier der jährlichen Tanz- und Theatererkundungen. Die Stadt hilft mit Bekenntnissen, Kontakten und 127 000 Euro. Die Bundeskulturstiftung steuert dieses Jahr noch einmal 100 000 Euro bei, nächstes womöglich nicht mehr. Insgesamt kommt Festivalchefin Ann-Elisabeth Wolff auf 630 000 Euro, womit sie sechs Tage Programm gestaltet: 25 Vorführungen von 14 Gruppen aus zwölf Ländern.

Die Chefin legt Wert auf ein breites Spektrum. Für 2005 verspricht sie neben Neuen und Experimentellen "sieben Top-Stücke". Dazu zählt der Eröffnungsabend mit dem Ballett Preljocaj aus Aix-en-Provence (1.12., 19.30 Uhr, Oper Leipzig) ebenso wie der Abschluss mit Nigel Charnocks "Fever", einer Mischung aus Tanz, Theater, Streichkonzert und Rezitation von Shakespeare Sonetten ( 6.11., 19.30 Uhr, Schauspiel). Tief in die deutsche Kleinbürgerseele blicken lässt Jo Fabian aus Berlin in "Die Idioten" (Mi, 2.11., 19.30 Uhr, Schauspiel) - ein bizarrer Abend, der auf heiterste Weise Betroffenheit erzeugt.

Unbedingt empfohlen sei ein Kinderstück: "Buchettino" (Der kleine Däumling), inszeniert von der Societas Raffaello Sanzio aus Cesena, der Truppe, die in den vergangenen Jahren die verstörendsten Inszenierungen zur euro-scene beisteuerten: "Gulio Cesare" und "Reise ans Ende der Nacht". Eine Empfehlung verdient auch "White Star" (2.11., 22 Uhr u. 3.11., 19.30 Uhr, Peterskirche) der Compagnie Victoria aus Gent. In kühler Clubatmosphäre und schriller Bühnensprache geht es um Abweichung von der Norm und den Kampf um Anerkennung. Inspiriert wurde das Stück durch die transsexuelle Autorin Vanessa Van Durme, die beispielsweise in Alain Platels "Allemaal Indiaan" ("Jedermann ist ein Indianer") im Jahr 2000 in der Peterskirche zu sehen war. Im Foyer des Schauspielhauses findet erneut "Das beste deutsche Tanzsolo" statt.

Das gesamte Programm liegt auf der Website der euro-scene zum Download bereit.

- euro-scene

 


 
Donnerstag, 03.11., bis Sonntag, 27.11. | 20 Uhr  |  Städtisches Kaufhaus:    12. Leipziger Jahresausstellung

 

Die Leipziger Jahresausstellung versucht seit 1992 das beinah Unmögliche. Breiten Einblick in das Kunstschaffen Leipzigs will sie bieten, muss also unterschiedlichste Genre abdecken und zwischen Alteingesessenem und Nachströmendem moderieren. Ob ihr das 2005 gelingt, wird sich zeigen. Zwar dominieren auf der Künstlerliste Malerei und Grafik (z.B. Steven Black, Axel Krause, Rolf Kuhrt, Verena Landau, Claudia Rößger, Peter Sylvester), aber auch Medienkunst ist vertreten (Jana Seehusen) und Fotografie von Gerhard Gäbler bis Frank Höhle. Namen wie Grit Hachmeister, Regine Müller-Waldeck oder Kerstin Schiefner, die 2005 herausragende Diplome abgelegt haben, finden sich auf der Künstlerliste leider ebenso wenig wie David Scheuch (dessen filigranen Garnbahnen die Entdeckung des HGB-Rundgangs im Frühjahr waren).

Erwähnt sei an dieser Stelle eine Neuerung auf der Website der Kunsthalle der Sparkasse: die Digitale Sammlung ist eine Suchmaschine, die Künstler und Werke der Sparkassensammlung online zugänglich macht und einen raschen, wenn auch (noch?) nicht tiefen Einblick erlaubt. Schade wiederum: Der Katalog-Download scheint dafür abgeschafft worden zu sein.

- Leipziger Jahresausstellung
- Digitale Sammlung
 


 
Dienstag, 08.11.  |  20 Uhr  |  Haus des Buches:    Vortrag zum Stadtumbau um 1900 in Leipzig

Neues Rathaus Leipzig
Als Leipzig noch reich war ...

Ende des 19. Jahrhunderts war Leipzig eine der reichsten Städte Deutschlands. Der wirtschaftliche Aufstieg der Messemetropole ging mit einem radikalen Umbau des Stadtbildes einher. In einem Lichtbildervortrag wird der Architekt und Buchautor Bernd Sikora über diese Baublütezeit berichten - über Architekten wie A. W. Roßbach und Hugo Licht, über Werkbund und Eisenbetonbau.

- Haus des Buches
 


 
Samstag, 12.11.  |  11 bis 20 Uhr  |  maerzgalerie:    Miriam Vlaming: Living The Dream - Malerei
Samstag, 12.11.  |  16 Uhr  |  Galerie b_2:    Daniel Schörnig: Informationen am Mittag
 

"Living The Dream": Den Titel ihrer neuen Ausstellung in der maerzgalerie will Miriam Vlaming, Jahrgang 1971, als Appell an den Besucher verstanden wissen - den Traum leben! Passenderweise kommt die Malerin gerade aus dem Land, das wie kein zweites für Träume und deren Ausleben steht, den USA. In Columbus verbrachte die Rink-Meisterschülerin ein Stipendium des Freistaats Sachsen. Schon lange treffen in ihrem Werk traumartige Szenerien auf dekorative Elemente. Ob sich die Motive im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gewandelt haben? Das Bild links deutet es an.

bis 10.01.2006, Spinnereistr. 7, Halle 6

- maerzgalerie
 


Daniel Schörnig zählt zu den leiseren unter den Leipziger Künstlern. Ausgestellt hat er wenig, dafür an der HGB unterrichtet und den Kunstraum B/2 maßgeblich mit aufgebaut. Unter dem Titel "Informationen am Mittag" präsentiert der Medienkünstler nun in einer Einzelausstellung in der Produzentengalerie b_2 angenehm minimalistisch-durchdachte Arbeiten.

Konzerttipp: Am Mittwoch, 16. November, 20 Uhr, treten "The Evens", das neue Projekt der US-Punk-Ikone Ian MacKaye (Fugazi), im b_2 auf.

- Galerie b_2
 


 
Sonntag, 13.11. bis 15.01.2006  |  Museum der bildenden Künste:    Matthias Weischer, LVZ-Kunstpreis
noch bis 20.11.  |  Museum der bildenden Künste:    Evelyn Richter - Rückblick, Fragmente, Konzepte

Evelyn Richter im Museum der bildenden Künste
Evelyn Richter vor ihren Arbeiten im Museum der bildenden Künste

Evelyn Richter, Jahrgang 1930, hat die DDR von Anfang bis Ende fotografisch begleitet. Berühmt sind ihre Straßenbahnbilder, ihre Porträts großer Dirigenten und die unerschöpfliche Serie von Museumsbesuchern. Unbekannt sind bislang ihre Farbfotos. So jung und frisch kommen sie daher, dass man sich nur die Augen reiben kann. Das Museum der bildenden Künste schenkt der Künstlerin zum 75-Jährigen eine umfangreiche Werkschau. Eine wichtige und schöne Ausstellung!

- Museum der bildenden Künste


Seit 1995 vergibt die Leipziger Volkszeitung einen Kunstpreis. Erster Träger war Via Lewandowsky. Im Zwei-Jahres-Abstand folgten Neo Rauch, Jörg Herold, Tamara Grcic, Daniel Roth. Somit ist wieder Zeit für einen großen Namen: 2005 heißt der Preisträger Matthias Weischer. Eine sicherer Wahl, über keinen der jüngeren Generation sprechen Leipziger Maler respektvoller als über ihn und seine irritierenden Interieurs, in die langsam auch Personal einzuziehen scheint. Dank Rolex-Stipendium jettete der Gille-Meisterschüler, Jahrgang 1973, mit David Hockney unlängst durch die Kunstwelt. Zuletzt stellte er auf der Venedig Biennale aus. Bei einer Christie's-Auktion in London wechselte eine seiner Leinwände vor wenigen Tagen für 308 500 Euro den Besitzer. Herzlichen Glückwunsch!

- Museum der bildenden Künste
- Matthias Weischer bei Eigen+Art
 

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Blick über den Tellerrand
 

 

Große Kunstschau in Magdeburg

Bis 30. Dezember beherbergt das Kunstmuseum "Kloster Unser Lieben Frauen" in Magdeburg die Landesausstellung "Faszination Kunst". Erstmals zeigen die fünf großen Kunstmuseen Sachsen-Anhalts in einer gemeinsamen Ausstellung bedeutende Werke aus ihren Beständen. Zu sehen sind u.a. Gemälden und Zeichnungen von Lucas Cranach (dem älteren), Pieter Breughel (dem jüngeren), Max Liebermann, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff, Skulpturen von Wilhelm Lehmbruck und Ernst Barlach, aber auch Arbeiten von Medienkünstlern. Die 250 Werke stammen aus dem Kunstmuseum Magdeburg, dem Kulturhistorischen Museum Magdeburg, der Stiftung Moritzburg, Halle, sowie der Anhaltischen Gemäldegalerie und der Stiftung Bauhaus aus Dessau.

- Kunstmuseum Magdeburg


Leipzig in London

Es soll sie ja geben, Leute, die zum Einkauf von Weihnachtsgeschenken nach London fliegen. Klar, New York ist inzwischen auch zu mühsam geworden. Wie auch immer, jedenfalls ist die Hochschule für Grafik und Buchkunst in der britischen Hauptstadt derzeit mit zwei Fotografieausstellungen überaus gut vertreten. Unter dem Titel "The Leipzig Lens" präsentiert die Deutsche Botschaft an der Themse noch bis 4. November zehn HGB-Absolventen, darunter Wiebke Loeper und Ulrich Gebert (Foto). Bis 2. Dezember dauert die Ausstellung "Areal" mit Arbeiten von HGB-Rektor Joachim Brohm im Londoner Goethe Institut.

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