Kunstverein Leipzig

newsletter 10/05

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Begrüßung

Empfangshalle
"Kunst und Garten"-Beitrag des Künstlerduos Empfangshalle:
Ein Schild auf dem Augustusplatz, das eine virtuelle
Baustelle ankündigt: "Hier entsteht: Ein öffentlicher Raum"

Claas Danielsen
Dokwochen-Chef Claas Danielsen bei der Festivaleröffnung
Montag abend im CineStar, bis Sonntag laufen in Leipzig 380
Dokumentar- und Animationsfilme

Liebe Freundinnen und Freunde der Kunst,

Gott, ging das schnell! Stand nicht eben noch Leipzig im Fokus der Kunstwelt? Waren wir nicht von vornherein skeptisch? Haben wir es nicht dennoch sehr genossen? Inzwischen jedenfalls macht sich in den Medien wieder mehr Realitätssinn breit. Den vitalen Szenen Berlins kann Leipzig trotz intaktem Selbstbewusstsein auf Dauer nun mal nicht die Show stehlen. Je nach Quelle soll die Hauptstadt 300, 400 oder gar mehr als 600 Galerien beherbergen und damit über die höchste Galeriendichte Europas verfügen. Auf Künstler wirkt sie ja ohnehin wie ein Magnet. So blickte dieser Tage wieder alles Richtung Berlin, wo in den ersten Herbsttagen drei Kunstmessen parallel stattfanden: Zum zehnten Mal das Art Forum, zum zweiten Mal die Berliner Liste und zum ersten Mal die Preview.

Um so angenehmer ist es, wenn man, wie in der Galerie Diskus in der Brunnenstraße geschehen, mitten in Berlin überraschend einen [ zwischengrün ]-Leipzig-Flyer in die Hand gedrückt bekommt. Das im März gestartete Festival endete soeben, am "Tag der Deutschen Einheit". Es hat zahlreiche Anregungen für Wohnfolgelandschaften in Grünau geliefert, einmalige Konzerte ermöglicht und die Innenstadt um wunderbare Temporäre Gärten unter anderen von Ulrike Gärtner (Fotos), Olaf Nicolai, Pro:Ohm (Fotos) und dem Diskus-Künstler André Tempel (Fotos) bereichert. Impressionen des Festivals finden sich auf der [ zwischengrün ]-Seite sowie auf Rundgang Kunst.

In Leipzig hat sich einer der wichtigsten Kunsträume, Halle 14 der Baumwollspinnerei, in die Winterpause verabschiedet. Zum Rundgang am 17. September fuhr die Stiftung Federkiel hier noch einmal eine Arbeit auf, welche die meisten anderen Ausstellungsräume Leipzigs schlicht überfordert hätte: Carsten Nicolais (älterer) Venedig-Biennale-Beitrag "Frozen Water".

Ansonsten ist von herbstlicher Ruhe in Leipzig nichts zu spüren. Auf der Karl-Heine-Straße haben pünktlich zum Rundgang zwei neue, junge Galerien eröffnet: das Delikatessenhaus und die Galerie Sammler. Die Hochschule für Grafik und Buchkunst führte in der vorigen Woche 22 Meisterschülerprüfungen durch. Die Prüfung von Arthur Zalewski fand in der Projektgalerie des Kunstvereins statt. Am Mittwoch, den 5. Oktober, 18 Uhr, lädt die HGB zur Urkundenübergabe und Vernissage der Meisterschülerausstellung.

Die nächste Ausstellung in der Projektgalerie des Kunstvereins öffnet am Donnerstag, den 6. Oktober, um 19 Uhr.
Helfried Strauß, an der HGB Professor für Fotografie, zeigt Aufnahmen, die er seit 2004 in Kalifornien, Syrien und Russland gemacht hat. Mit diesen Arbeiten schließt er einen Kreis zu den Fotoprojekten "In Moskau" und "Die Fähre" (über die Fährfamilie aus Höfgen), die Anfang der 70er Jahre entstanden sind. Die Ausstellung ist bis 30. Oktober montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr zu sehen.

Darüber hinaus ist in Leipzig wieder das Kinofieber ausgebrochen. Das 48. Internationale Festival für Dokumentar- und Animationsfilm lädt bis Sonntag zu 380 Filmen. Darunter: "Fountain of Youth" über eine Gated Community in Kalifornien, für deren Bewohner ein Mindestalter von 70 Jahren gilt (Do u. Sa 22.30 Uhr); der so bildgewaltige wie wichtige Streifen "Workingman's Death" (Fr 20 Uhr, So 17.30 Uhr); ein Experimentalfilm über "Die Lausitz 20x90" (Do 22.30 Uhr, Sa 14 Uhr); "Die Unerwünschten" über Flüchtlinge, deren Asylantrag in Deutschland abgelehnt wurde (Do 17.30 Uhr, Fr 20 Uhr); und "Zur falschen Zeit am falschen Ort", ein erschütternder Film über den unfassbaren Mord an einem 17-Jährigen im brandenburgischen Potzlow (Do 20.30 Uhr, Fr 14 Uhr, Sa 20 Uhr).

Einen aufwühlenden Monat wünscht
im Auftrag des Kunstvereins Leipzig
Hendrik Pupat 

 

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Termine
 
Kunstindex.Leipzig Die angeführten Termine stellen nur eine kleine Auswahl dar. Für umfassendere Informationen über Kunst in Leipzig beachten Sie bitte die Seite Rundgang Kunst und den Kunstindex.Leipzig, der kostenlos zur Mitnahme in Galerien, Cafés und Kulturhäusern ausliegt.
 

 
Mittwoch, 5.10.  |  18 Uhr  |  Hochschule für Grafik und Buchkunst:    Meisterschülerausstellung

 

22 Kunststudenten traten in den vergangenen Tagen an, den HGB-Meisterschüler-Titel zu erwerben. Nicht wirklich überraschend ist, dass die meisten von ihnen, 13 nämlich, aus dem Bereich Malerei/Grafik stammen. Weitere fünf kommen von der Fotografie, drei aus der Medienkunst und eine aus dem Bereich Buchkunst/Grafik-Design. 

Einige von ihnen sind keine Unbekannten mehr: etwa der Filmemacher Clemens von Wedemeyer, der Fotograf Arthur Zalewski und die Maler Isabelle Dutoit, Steven Black, Sebastian Gögel, Tobias Lehner.

Eine starke Videoarbeit legte Diana Wesser, betreut von Alba D'Urbano, vor. Sie begab sich mit einem Profitänzer in eine alte Fabrik, um das Verhältnis von Körper und Raum, die Wirkung von Raum auf Körper zu untersuchen. Ihr Film dokumentiert die tänzerische Annäherung nicht bloß, sondern erlangt durch Schnitt, Tempo und Sound eine ganz eigene künstlerische Qualität.

Herausragend auch Ilka Meyers "Transplant - Hanging Gardens", betreut von Ralf Urban Bühler. Meyer arrangierte Gewächse von Leipzigs Straßenrändern in großen Steinsäcken. Sie betrachtet Gärten als Abbilder von Weltvorstellungen. So gesehen kann die Errichtung einer neuen Welt bereits mit einem Sack voll Gestein oder Sand ihren Anfang nehmen. Doch unabhängig von dieser philosophischen Ebene darf "Transplant" auch als Malerei mit Pflanzen im Raum verstanden und sinnlich erfahren werden.

Meisterschülerausstellung bis 29.10.2005

- Hochschule für Grafik und Buchkunst

- Sebastian Gögel in der Galerie Post
- Ilka Meyer
 


 
Mittwoch, 5.10., bis Freitag, 7.10.  |  20 Uhr  |  Lofft:    "Adler und Engel" nach Juli Zeh

 

Juli Zehs Roman "Adler und Engel" darf getrost als das Debüt des Jahres 2001 bezeichnet werden. Eine fiebrig-fesselnde Erzählung, die zugleich Drogen-, Völkerrechts-, Bürgerkriegs-, Verschwörungsthriller ist sowie ein Generationenroman inklusive dreier Lovestories. Das Theater M21 aus Göttingen wagte sich, in Koproduktion mit dem Lofft Leipzig, an eine Dramatisierung des komplexen Stoffes. Für die Nacherzählung benötigt Regisseur Joachim von Burchard drei nicht durchweg kurzweilige Stunden.

- Lofft
 


 
Donnerstag, 6.10.  |  20 Uhr  |  UT Connewitz:    Filmpremiere: "Das Geheimnis von LE"



Kann man Gemüse auf Brachen anbauen? Warum wird der Brühl abgerissen? Wofür mussten die Mieter im Wintergartenhochhaus kämpfen? Sind alternative Projekte und Hausbesetzungen eine Medizin gegen Leerstand? Ist das Waldstraßenviertel ein Vorbild für die Leipziger Stadtentwicklung? Kann man Geschichte in alten Häusern finden? "Das Geheimnis von LE" ist eine inszenierte Dokumentation über Menschen in Leipzig, die mit Brachen, Leerstand, Abriss und Sanierung auf ihre Art umgehen. Es ist ein Film über die Aneignung von urbanem Raum und es ist ein Film, der Szene für Szene in der Zusammenarbeit mit Leipzigern aus unterschiedlichen Stadtteilen entwickelt wurde. Die Beteiligten des Films sind Schauspieler ihrer selbst.

- GfZK
- UT Connewitz
 


 
Freitag, 7.10.  |  offiziell 20 Uhr, vermutlich eher gegen 22 Uhr  |  Conne Island:    Alec Empire

 

Ob dieser Tipp an dieser Stelle erlaubt ist? Egal. Digital-Hardcore-Mastermind Alec Empire produziert infernalischen Krach, gewürzt mit zornigen Revoluzzer-Parolen. Seine Konzerte haben kathartische Wirkung und geben zuverlässig eine Antwort auf die Frage, ob man wirklich noch lebt. Vor schlimmen Nebenwirkungen schützt darüber hinaus Ohropax.

Wie schreibt das Conne Island selbst? "a great electronic music experimentalist".

- Ankündigungstext des Conne Islands
- "Die Zeit"-Artikel über Alec Empire
 


 
Freitag, 14.10. bis 16.10.  |  Museum für Kunsthandwerk, Interim:    Grassimesse

Grassi
Das Grassimuseum ist bis 2007 eine Baustelle,
die Grassimesse findet am Neumarkt statt

Die 1997 wiederbegründete Grassimesse sieht sich in der Tradition der zwischen 1920 und 1941 in Leipzig ausgerichteten historischen Grassimessen, die dem Gedanken der Zusammenführung von Kunst, Handwerk und Industrie verpflichtet waren. Erklärtes Ziel ist es, die gegenwärtige Entwicklung des zeitgenössischen Kunsthandwerks und Designs zu reflektieren und vor dem Hintergrund bewährter Leistungen neue Entwicklungswege zu befördern. Neu in diesem Jahr ist "Grassi Open", ein Begleitprogramm, das die Messe stärker ins kulturelle Leben Leipzigs einbinden soll. "Grassi Open" steht für "Offenheit gegenüber allen gestalterischen Gewerken, für wechselnde thematische Ausrichtung, offene Ateliers und Aussteller aus aller Welt". Begonnen wird mit einem Blick auf die junge Leipziger Design-Szene.

- Grassimesse
- Grassi Open
 


 
Montag 17.10.  |  20.30 Uhr  |  naTo:    Sibylle Berg und Peter Lau lesen


Sibylle Berg
Sibylle Berg 2004 auf der Buchmesse Leipzig

Einige halten sie für eine platte Zynikerin, andere sehen in ihr eine aufrichtige Humanistin, die an der Welt verzweifelt. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte. Fest steht, Sibylle Berg kommt wieder einmal nach Leipzig. Im Gepäck hat sie ihren nicht mehr ganz frischen Roman "Ende gut", in dem es der Welt an den Kragen geht, Terroristen Bomben zünden, Körperflüssigkeiten frei fließen dürfen und hässliche Worte nicht gescheut werden. Bei all dem wird Bylle Berg das Kunststück gelingen, als schüchternes, wohlerzogenes, völlig unschuldiges Mädchen mit Schoßhundfrisur zu erscheinen. Mit dabei hat sie neben dem Roman den "brand eins"-Redakteur Peter Lau, der eigene Texte lesen wird.

- naTo
- brand eins

 
Montag, 24.10., bis Sonntag, 30.10.  |  Lofft und Umgebung:    Uwaga! Polen kommen

 

Das in Leipzig und Weimar stattfindende Festival "Uwaga! Polen kommen" lädt zur Begegnung ein mit künstlerischen Ansätzen zu politischen und gesellschaftlichen Themen aus dem östlichen Nachbarland. In Leipzig wird mit Arbeiten junger Gruppen nach dem aktuellen Zustand des polnischen Theaters gefragt. In einer gemeinsamen Produktion von Lofft und Teatr Cinema kommt "Male Duety w Sercu Europy" zur Uraufführung. In Anlehnung an das Festivalmotto wird Europa darin selbst zum Thema. Weitere Informationen auf der Website.

- Uwaga! Polen kommen
- Lofft
 

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Blick über den Tellerrand
 
bis 18.11.  |  Galerie Kalthoff  |  Essen:    Tim Steinbeiß "Am Ball bleiben". Malerei

 

Fußballfans wettern schon, dass bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland die Kämpfe auf dem Platz angesichts des ausufernden kulturellen Rahmenprogramms zur Nebensache verkommen könnten. Auch in Leipzig werden "Ballkünstler" mitnichten nur im Stadion zu erleben sein, das Museum der bildenden Künste etwa plant eine einschlägige Ausstellung. Ohnehin ist es ja kein Geheimnis, dass viele Künstler den Rasen ebenso schätzen wie den White Cube. Der Maler Tim Steinbeiß, Absolvent der Hochschule für Grafik und Buchkunst, macht Stadionszenen selbst zum Sujet: Ballkämpfe, Grätschen, Momente höchster Spannung. Die Zuschauermassen im Hintergrund erscheinen als pointillistisches Farbenspiel. War Fußball wirklich jemals so ästhetisch oder flunkert hier ein Fan?

- Galerie Kalthoff
 

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30/10/05